Wenn du Schlupfwespen im Garten entdeckst oder sie gezielt gegen Motten einsetzt, fragst du dich irgendwann automatisch, wo eigentlich das Schlupfwespen-Nest ist. Bei normalen Wespen würdest du unter dem Dach oder im Rollladenkasten schauen; bei Schlupfwespen bist du damit auf der falschen Fährte. Die Nützlinge leben ganz anders und bauen keine klassischen Nester.
Statt gemeinsam in einem großen Volk zu leben, entwickeln sich die Tiere als Parasitoide und nutzen den Körper eines Wirts als lebendige Brutstätte. Manche Arten nutzen außerdem Eier, Larven oder Puppen als Entwicklungsorte.

Das Wichtigste in Kürze
- Schlupfwespen bauen kein physisches Nest, die Tiere leben nicht in Gruppen.
- Die meisten Arten nutzen andere Insekten zur Fortpflanzung.
- Manche Arten bilden auffällige Kokons, aber keine Nester.
- Schlupfwespen sind Nützlinge und sollten möglichst nicht entfernt werden.
- Im Haus genutzte Arten verschwinden, wenn der Wirt bekämpft wurde.
Bauen Schlupfwespen Nester und was unterscheidet sie von Wespen?
Normale, soziale Wespen leben in Staaten. Eine Königin gründet das Volk, Arbeiterinnen versorgen die Brut und gemeinsam bauen die Tiere ein Nest mit zahlreichen Waben. Nichts davon lässt sich auf Schlupfwespen übertragen, denn diese Tiere leben solitär. Ein Weibchen sucht selbstständig nach geeigneten Wirten und legt seine Eier dort ab. Es gibt keine Arbeiterinnen, keine gemeinsame Brutpflege und auch keinen Nestbau.
Die Tiere nutzen andere Entwicklungsplätze, der Wirt übernimmt die Funktion, die bei anderen Wespenarten ein Nest erfüllen würde.
Es kann sich um eine Raupe, ein Insekten-Ei, eine Käferlarve oder die Puppe eines anderen Insekts handeln. Welche Wirte genutzt werden, hängt von der jeweiligen Schlupfwespenart ab.
Wo leben Schlupfwespen?
Du findest sie überall dort, wo ihre Wirte vorkommen. Im Garten leben viele Arten zwischen Pflanzen und Sträuchern. Dort suchen sie nach Raupen, Blattläusen und anderen geeigneten Entwicklungsstadien.
Andere Arten kommen in Wäldern und auf Wiesen vor, wieder andere leben in unmittelbarer Nähe zu Menschen, weil die Wirte in Häusern oder Vorräten vorkommen.
Ein gutes Beispiel sind die als Nützlinge eingesetzten Arten, die gegen Lebensmittel- und Kleidermotten eingesetzt werden. Sie werden gezielt in der Wohnung ausgebracht und suchen sich dort ihre Motteneier. Sie benötigen kein festes Nest und sobald sie ihren Wirt gefunden haben, beginnt der Fortpflanzungszyklus.
So vermehren sich Schlupfwespen ohne Nest
Anstatt ein Schlupfwespen-Nest zu bauen, suchen sich die Weibchen ihren Wirt. Viele Arten besitzen einen Legestachel, mit dem sie ihre Eier auf oder in den Körper des Wirts befördern. Manche Arten finden sogar Wirte, die sich tief im Holz oder in Pflanzen verborgen haben. Nach der Eiablage schlüpfen die Schlupfwespen-Larven.
Jetzt beginnt der Teil des Lebenszyklus, der Schlupfwespen für die biologische Schädlingsbekämpfung so interessant macht. Die Larve ernährt sich vom jeweiligen Wirt und entwickelt sich dort weiter.
Manche Schlupfwespen töten den Wirt relativ schnell, andere lassen ihn weiterleben, während sich die Larve in seinem Körper entwickelt. Am Ende stirbt der Wirt und die Schlupfwespe setzt ihre Entwicklung fort.
Was aus menschlicher Sicht gruselig klingen mag, ist ein natürlicher Bestandteil vieler Ökosysteme. Schlupfwespen regulieren so die Populationen anderer Insekten und spielen als Gegenspieler vieler Schädlinge eine wichtige Rolle. Durch diese parasitäre Lebensweise müssen die Tiere kein Schlupfwespen-Nest bauen, sondern finden immer einen Ort zum okkupieren.
Schlupfwespen-Larven sind Teil des Lebenszyklus
Die Larven der Schlupfwespe sehen nicht wie kleine Wespen aus, sondern erinnern an kleine, helle Maden. Du bekommst sie allerdings nur selten zu Gesicht, da sich die meisten Arten innerhalb ihres Wirts entwickeln. Erst später verlassen sie ihn oder verpuppen sich darin komplett.
Bei jenen Arten, die in der biologischen Schädlingsbekämpfung gegen Motten eingesetzt werden, läuft der Prozess im Mottenei ab.
Eine Schlupfwespe legt ihr eigenes Ei in das Ei der Motte. Es kann sich keine Mottenlarve mehr entwickeln, sondern eine neue Schlupfwespe. Das Ei dient gleichzeitig als Nahrung und als geschützter Entwicklungsraum. Die Kinderstube von Schlupfwespen ist so klein, dass du nicht nach einem Nest von Schlupfwespen suchen solltest – du wirst es nicht finden. Das Mottenei dient als Schlupfwespen-Nest und ist so klein, dass du es nur mit einer Lupe siehst.

Ein Kokon ist kein Schlupfwespen-Nest
Etwas verwirrend wird es, wenn du draußen kleine weiße oder gelbliche Gebilde entdeckst. Schnell entsteht der Eindruck, dass es sich hierbei um einen Kokon/ein Schlupfwespen-Nest handeln könnte. Tatsächlich bilden einige Arten nach der Larvenentwicklung Kokons, besonders auffällig ist das bei jenen Arten, die Raupen als Wirt nutzen. Die Schlupfwespenlarven entwickeln sich zunächst im Körper der Raupe, verlassen später dann den Wirt und spinnen kleine Kokons, in denen sie sich verpuppen.
Die Kokons liegen oft direkt nebeneinander, sodass die Ansammlung auf den ersten Blick aussieht wie ein kleines Schlupfwespen-Nest.

Biologisch handelt es sich aber nicht um ein gemeinschaftlich gebautes Schlupfwespen-Nest, denn jeder Kokon dient nur einer einzelnen Schlupfwespe als geschützter Ort für die Verpuppung.
Wenn du solche Kokons an einer parasitierten Raupe findest, belasse sie dort. Aus ihnen schlüpfen später weitere Schlupfwespen, die wiederum andere Wirte aufsuchen können.
Schlupfwespen-Nest entfernen oder besser in Ruhe lassen?
Wenn du eine auffällige Ansammlung an Kokons entdeckst, besteht in der Regel kein Grund dafür, diese zu entfernen. Schlupfwespen gehören zu den Nützlingen, die dabei helfen, verschiedene Insektenpopulationen auf natürliche Weise zu regulieren. Viele Arten parasitieren Raupen, Käferlarven, Blattläuse oder andere Tiere, die an Pflanzen Schäden verursachen.
Wenn du die Kokons entfernst, beseitigst du genau die Tiere, die dir später bei der natürlichen Schädlingskontrolle helfen könnten. Auch wenn es kein klassisches Schlupfwespen-Nest ist, dient es den Tieren doch genau als solches und mit der Entfernung gehen auch die Schlupfwespen.

Gefährlich sind heimische Schlupfwespen für Menschen nicht. Ihr Legestachel dient dazu, Eier in Wirte abzulegen. Er ist nicht mit dem kräftigen Wehrstachel einer normalen Wespe vergleichbar. Daher gilt im Garten eine einfache Regel. Wenn dich die Tiere nicht stören, lässt du die Kokons am besten an Ort und Stelle.
Kann ein Schlupfwespen-Nest in der Wohnung entstehen?
Auch wenn du Schlupfwespen gezielt gegen Lebensmittelmotten einsetzt, entsteht kein dauerhaftes Schlupfwespen-Nest in deiner Wohnung.
Die eingesetzten Arten brauchen bestimmte Wirte und nur wenn weitere Motteneier vorhanden sind, können sie sich parasitieren und vermehren. Fehlen die Eier, bricht der Kreislauf ab und die Population verschwindet.
Die winzigen Nützlinge bauen keine Waben in deinem Küchenschrank und nisten sich auch nicht im Rollladenkasten ein. Das macht den Einsatz im Innenraum so hilfreich, denn die Tiere existieren nur dort, wo sie geeignete Wirte finden können.

Wie lange bleiben Schlupfwespen an einem Ort?
Auch ohne Nest halten sich Schlupfwespen nicht zufällig irgendwo auf. Sie sind ständig auf der Suche nach passenden Wirten und bleiben in deren Nähe oder suchen die Umgebung ab.
Bei den für die Mottenbekämpfung eingesetzten Arten bedeutet das, dass sie sich in Schränken und rund um die Vorräte herum bewegen. Dort suchen sie Motteneier und legen die eigenen Eier hinein. Sobald keine Eier mehr da sind, können sie sich nicht mehr vermehren und sterben. Die erwachsenen Tiere leben nur wenige Tage bis Wochen; anschließend sind sie verschwunden.
Dass Schlupfwespen keinen festen Bau besitzen, hat einen großen Vorteil. Sie sind nicht an einen Standort gebunden und die Weibchen suchen dort nach Wirten, wo sich andere Insekten vermehren. Im Garten trägt das zu einem ausgewogenen Ökosystem bei.
Bei gezielt eingesetzten Arten kannst du dieses Verhalten für eine schonende Schädlingsbekämpfung nutzen. Anstatt großflächig mit Insektiziden zu arbeiten, nutzt du einen natürlichen Gegenspieler, der sich auf bestimmte Entwicklungsstadien des Schädlings konzentriert. Das funktioniert aber nur dann, wenn Schlupfwespe und Schädling zusammenpassen. Einzelne Arten sind auf andere Wirte spezialisiert.
FAQ rund um das Schlupfwespen-Nest
Du hast noch Fragen rund um Schlupfwespen und den Nestbau? Wir beantworten sie dir in unserem FAQ-Abschnitt gerne.
Wie sieht ein Schlupfwespen-Nest aus?
Es gibt kein klassisches Schlupfwespen-Nest. Wenn eine Art Kokons bildet, liegen diese oft dicht beieinander. Optisch erinnert das an ein Nest, doch pro Kokon findest du nur ein solitäres Tier.
Bauen Schlupfwespen Nester im Haus?
Nein, die gegen Motten eingesetzten Nützlinge bauen keine Nester. Sie werden auf kleinen Kärtchen geliefert und legen ihre Eier direkt in den zu beseitigenden Motteneiern ab. Wenn sie keine mehr finden, verschwinden sie von selbst.
Wo leben Schlupfwespen am häufigsten?
Die Nützlinge leben dort, wo sie ihre Wirte finden. Das kann im Garten oder in Wäldern oder auch in Gebäuden sein.
Was befindet sich im Schlupfwespen-Kokon?
Im Kokon entwickelt sich die Schlupfwespe während ihrer Puppenphase weiter. Nach abgeschlossener Entwicklung schlüpft daraus das erwachsene Tier.

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